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Zukunftsperspektiven der Rechtsvergleichung
Dieser Band enthält die Beiträge zu einem Symposium aus Anlass des 80. Geburtstages von Hein Kötz. Sie stehen unter dem Obertitel “Zukunftsperspektiven der Rechtsvergleichung” und zeichnen sich durch einen weitgespannten Bogen an Themen und Methoden aus. Das ist ganz im Sinne eines Mannes, für den die Welt zu schwierig ist, als dass sie sich von einem Punkt aus kurieren ließe. Es geht um Kollisionsrecht, Sachenrecht, Unternehmensrecht und Deliktsrecht, um postsäkulare Rechtsvergleichung, Rechtssystemvergleichung und um den Wettbewerb der Rechtsordnungen; der rechtsdogmatische Zugriff wird verbunden mit nicht-dogmatischen Erkenntnissen; und immer wieder steht die Frage der Vergleichbarkeit im Mittelpunkt des Interesses: Was lässt sich wie womit sinnvollerweise vergleichen? Hein Kötz selbst plädiert in seinem Schlusswort dafür, sich mit der größten Gelassenheit allen Betrachtungsweisen zu öffnen, ohne jedoch der Illusion zu verfallen, endgültig und ein für alle Mal “richtige” Lösungen zu entwickeln.
Zugriffe auf das Ich: Psychoaktive Stoffe und Personenkonzepte in der Schweiz, 1945 bis 1980
Wie beeinflussen psychoaktive Stoffe unser Bild von uns selbst? Entlang dieser Frage zeichnet Magaly Tornay die Geschichte psychoaktiver Stoffe in der Schweiz seit dem Aufkommen des LSD nach und zeigt auf, wie zwischen Klinik, Industrie und Wissenschaft ein neues Objekt Kontur gewann: eine psychopharmakologische Grammatik, die den Diskurs über psychische Störungen und Normen entscheidend mitprägte.
Zugänge zum Verfassungsrecht: Ein Studienbuch
Das Verfassungsrecht ist als Programm für die Politik scheinbar konsolidiert. Als Prüfungsmaßstab und Ausbildungsgegenstand ist es durch Lehrstühle institutionalisiert und in Bibliotheken enzyklopädisiert. Eike Michael Frenzel eröffnet drei verschiedene Zugänge zum Verfassungsrecht, die je für sich Erklärungs- und Memorierungsfunktionen übernehmen: Verfassungsrechtsgeschichten, die regelmäßig lediglich als Chiffren Erwähnung finden, die aber den entschiedenen Fällen ein Gesicht geben können; Bilder als Medien des Verfassungsrechts und als verfassungsrechtliche Phänomene; und Fragmente einer alternativen Verfassungsrechtsdogmatik, die verdeutlichen, warum die überlieferten Lösungen häufig auch die besten sind. Der Autor wählt damit andere als die systematisch-dogmatischen und theoretischen Perspektiven. Er bringt das Verfassungsrecht als solches und die Verfassungsrechtswissenschaft an die Leser heran. “Alles in allem: Kein Lehrbuch im eigentlichen Sinn, aber ein – auch in den unbedingt mitzulesenden Fußnoten – lehrreiches Buch!” Georg Neureither in ‘Neue Juristische Wochenschrift’ 2011, 1054 “Es gibt noch innovative Bücher. Eines davon heißt ‘Zugänge zum Verfassungsrecht’ und stammt von Eike Michael Frenzel. […] Mein kurzer Bericht lässt nicht erkennen, wie sorgfältig das Buch gearbeitet ist. Dass die juristische Seite makellos referiert, analysiert und belegt wird, durfte man voraussetzen. Bemerkenswert ist aber, wie unaufgeregt der Verfasser zeitgeschichtliche, literarische und fremddisziplinäre Quellen heranzieht und sie elegant auswertet. Dass er dafür mit 159 Textseiten auskommt, ist ein kleines Wunder. Ich habe das Buch mit Vergnügen und Gewinn gelesen.” Klaus F. Röhl in ‘Recht anschaulich’ 12/2010 Die ungekürzte Rezension finden Sie auf http://recht-anschaulich.lookingintomedia.com/?p=1228
Zivilprozessuale Gruppenvergleichsverfahren: Einvernehmliche Streitbeilegung im kollektiven Rechtsschutz
In der europaweit geführten Diskussion über Verfahren des kollektiven Rechtsschutzes rücken anstelle der Sammelklagen zunehmend Instrumente der einvernehmlichen Streitbeilegung in den Mittelpunkt. Anstatt auf Anspruchsprüfung und Urteil sind Gruppenvergleichsverfahren ausschließlich auf den Abschluss eines gerichtlichen Vergleichs unter den zahlreichen Parteien ausgerichtet. Matthis Peter untersucht aus vergleichender Perspektive die Funktionsweise und die Wirksamkeit ausgewählter Gruppenvergleichsverfahren in den USA, den Niederlanden und Deutschland. Auf Basis der Länderberichte diskutiert er mit Blick auf einen schweizerischen Gesetzesentwurf einige Kernprobleme dieses relativ neuartigen Verfahrensansatzes.
Zellen, Wellen, Systeme: Eine Genealogie systemischen Denkens, 1880–1980
The history of systems theory does not start with the rise of cybernetics in the post-war 20th century. It rather took off in the late 19th century’s now largely forgotten organismic sociology. Authors like Talcott Parsons or Niklas Luhmann can’t, however, be reduced solely to a single line of descent. Julian Bauer outlines the plural origins of systemic ideas by portraying their broad foundation in different strands of holist thinking and thus provincialises systems theory. His book charts the intellectual and visual culture of systems thinking between 1880 and 1980.
Was ist wahre Freiheit?: Epiktet
Bei Epiktets Unterredung Über die Freiheit handelt es sich nicht nur um einen exemplarischen Text eines authentischen Stoikers (um 100 n. Chr.), sondern um ein Programm antiker Lebenskunst. Freiheit als “Leben, wie man will” wird interpretiert als Unterscheidung des “Fremden” vom “Eigenen” und als “sich an Gott anschließen”.
Von Jesus zur neutestamentlichen Theologie: Kleine Schriften II
Der zweite Band der Kleinen Schriften des Zürcher Neutestamentlers versammelt 22 Beiträge aus fast 20 Jahren, die sich historisch und philologisch dem theologischen Anspruch der Texte des Neuen Testaments widmen. Der Bogen reicht dabei von der impliziten Christologie und der apokalyptischen Eschatologie in der Verkündigung Jesu über die Modelle der Deutung seines Todes, den religiösen Hintergrund und den geistigen Weg des Paulus und Fragen seiner Rechtfertigungs- und Kreuzestheologie bis hin zum Heilsverständnis, der Ekklesiologie und Eschatologie des Neuen Testaments und zu Fragen der Konstruktion einer Theologie des Neuen Testaments. Leitende Überzeugung ist dabei, dass das Neue Testament historisch und theologisch zu lesen ist und dass seine Interpretation auch für Fragen der gegenwärtigen Glaubenspraxis fruchtbar zu machen ist.
Ciencias criminales en Alemania desde una perspectiva comparada e internacional – Cuarta Escuela de Verano en ciencias criminales y dogmática penal alemana
En este libro presentamos los aportes realizados por Profesores y Docentes que han ofrecido módulos temáticos o clases magistrales en la Cuarta Escuela de Verano llevada a cabo por el Centro de Estudios de Derecho Penal y Procesal Penal Latinoamericano (CEDPAL) de la Georg-August-Universität Göttingen. Los textos acá compilados dan cuenta de ámbitos temáticos relativos a la dogmática penal, el derecho penal comparado, la política criminal, el derecho procesal penal y la justicia penal europea. Se trata de contribuciones sin precedentes sobre las ciencias criminales en Alemania y desde el espectro jurídico comparado a nivel europeo, anglosajón y latinoamericano. Adicionalmente, se pone a disposición del lector un relevante trabajo dedicado a la complicidad en el asesinato por medio del servicio en el campo de concentración de Auschwitz. En el mismo se presenta por primera vez en lengua castellana la sentencia del Tribunal Supremo Federal alemán sobre el caso Gröning (Decisión del 20 de septiembre de 2016 – 3 StR 49/16) junto al comentario realizado por el Profesor Claus Roxin a dicha sentencia. Tanto la compilación presentada, como la estructura a partir de la cual se desarrolla la misma, reflejan de forma certera el espíritu de la Escuela de Verano, pensada tanto para difundir el estado actual de las ciencias criminales alemanas, como para construir un puente de intercambio y apertura académica con juristas hispanohablantes y lusófonos.
Von den Medien zu den Plattformen: Die Regulierung öffentlicher Kommunikation im Zeichen der digitalen Revolution
Die digitale Revolution fordert ihren Tribut: Globale Plattformen wie Facebook, Twitter oder TikTok verdrängen immer mehr die traditionellen, national verankerten Medien. Dies führt auch regulatorisch zu gewaltigen Umbrüchen. Im Zentrum möglicher Regulierungen steht immer stärker die öffentliche Kommunikation als Totalphänomen mit pathologischen Begleiterscheinungen wie Fake News, Desinformation und Hate Speech. Urs Saxer analysiert die Möglichkeiten und Grenzen des nationalen Rechts beim Schutz von Grundrechten sowie von Rechtsgütern des Einzelnen und der Allgemeinheit sowie die Rolle der Plattformen als globale Kommunikationsinfrastrukturen. Des Weiteren untersucht er die komplexen Grundrechtsverhältnisse im Verhältnis zwischen Staat, Plattformen und individuellen Nutzern sowie den Einfluss der europäischen und globalen Regelungsebene. Das traditionelle Medienrecht erweist sich als Auslaufmodell. Es wird von einem mehrdimensionalen Neben- und teilweise auch Durcheinander diverser Normen und Regeln auf verschiedenen Ebenen mit unterschiedlicher normativer Qualität abgelöst. In deren Zentrum stehen die Plattformen.
Verordnete Arbeit – Gelenkte Freizeit: Muße in der Sowjetkultur
Der vorliegende Band untersucht Muße-Diskurse und -Praktiken angesichts der einschneidenden Umbrüche in Russland ab 1917. Es gilt, Konzepte von Muße hinsichtlich ihrer Realisierung oder ihres systembedingten Ausbleibens in der Sowjetunion zu reflektieren. Den Anfang machen philosophische Untersuchungen zu den relevanten sozialistischen Theorien und ihrer russischen bzw. sowjetischen Rezeption sowie Analysen der Muße-Semantik in der sowjetischen Kultur. In interdisziplinär ausgerichteten Beiträgen von Forschenden aus Deutschland und Russland werden im Weiteren die Funktionen von Muße-Diskursen aus breiter kulturwissenschaftlicher Perspektive beleuchtet. Somit lassen sich die unterschiedlichen Manifestationen dieser ideologisch gleicherweise idealisierten wie dämonisierten Muße in künstlerischen Werken, in der konkreten gesellschaftlichen Praxis und jenen programmatischen Schriften, mit denen diese Praxis angeleitet werden sollte, präzise analysieren.
Verhaltensökonomik und Normativität: Die Grenzen des Informationsmodells im Privatrecht und seine Alternativen
Verhaltensökonomisch basierte Regulierung, von ‘Nudging’ bis ‘Debiasing’, hat längst auch Deutschland und Europa erreicht. Doch die Implikationen der Verhaltensökonomik für Normsetzung sind nicht immer so eindeutig, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mögen: Auf empirischer Ebene herrscht Unsicherheit über den tatsächlichen Rationalitätsgrad von Marktakteuren; auf normativer Ebene Unklarheit darüber, welche rechtspolitischen Ziele mithilfe der neuen Techniken verfolgt werden sollen. Philipp Hacker nimmt sich dieser Herausforderungen an, begründet entscheidungstheoretisch die Relevanz der Verhaltensökonomik für das Privatrecht und macht sich für ihren Einsatz zur Steigerung von Fairness in Marktkontexten stark, besonders im Verbraucher- und Kapitalmarktrecht. Auf dieser Grundlage erfährt das Informationsmodell, das zentrale europäische Regulierungsparadigma, eine Neukonzeption.
Verfassungsordnung und Verwaltungsorganisation
Die Frage, wie und von wem staatliche Herrschaft zu organisieren ist, berührt zentrale Elemente unserer Verfassungsordnung. Von der historischen Begrifflichkeit der Organisationsgewalt bis hin zur heutigen Europäisierung des Verwaltungsrechts wird immer wieder die Frage zentral, welche substanziellen Aussagen dem Grundgesetz über die Verwaltungsorganisation zu entnehmen sind. David Roth-Isigkeit erarbeitet ein umfassendes Bild davon, welche Akteure im Verfassungsstaat über die Organisation der öffentlichen Verwaltung zu entscheiden haben und an welche verfassungsrechtlichen Maßstäbe sie dabei gebunden sind. Dabei zeigt sich die durchdringende Ordnungskraft des besonderen Verhältnisses von Demokratie und Rechtsstaat in der deutschen Verfassungsdogmatik.
Verbraucherrechtsdurchsetzung
The value of civil rights depends crucially on their enforceability. Especially when it comes to small claims like consumer claims, enforcement can however prove to be difficult. Martin Fries develops criteria for dispute systems aimed at effectively enforcing consumer rights. His analysis contributes to the recent debate on consumer access to justice.
The Valediction of Moses: A Proto-Biblical Book
Moses Wilhelm Shapira’s infamous Deuteronomy fragments – long believed to be forgeries – are authentic ancient manuscripts, and they are of far greater significance than ever imagined. The literary work that these manuscripts preserve – which Idan Dershowitz calls “The Valediction of Moses” or “V” – is not based on the book of Deuteronomy. On the contrary, V is a much earlier version of Deuteronomy. In other words, V is a proto-biblical book, the likes of which has never before been seen. This conclusion is supported by a series of philological analyses, as well as previously unknown archival documents, which undermine the consensus on these manuscripts. An excursus co-authored with Na’ama Pat-El assesses V’s linguistic profile, finding it to be consistent with Iron Age epigraphic Hebrew. V contains early versions of passages whose biblical counterparts reflect substantial post-Priestly updating. Moreover, unlike the canonical narratives of Deuteronomy, this ancient work shows no signs of influence from the Deuteronomic law code. Indeed, V preserves an earlier, and dramatically different, literary structure for the entire work – one that lacks the Deuteronomic law code altogether. These findings have significant consequences for the composition history of the Bible, historical linguistics, the history of religion, paleography, archaeology, and more. The volume includes a full critical edition and English translation of V.
Urbane Muße: Materialitäten, Praktiken, Repräsentationen
Beschleunigung, Zeitverdichtung und Effizienz sind oft genannte Schlagworte unserer Gegenwart, die sich aufs Engste mit der Stadt verbinden. Hektik und Geschäftigkeit im urbanen Raum scheinen Menschen zu Funktionsträgern zu verwandeln. Die Brüchigkeit dieser vorherrschenden Vorstellung zeigt sich aber bereits an Figuren wie der des Flaneurs, der sich gerade im Getriebe der Großstadt gelassen bewegt. Auch scheinbar gegenläufige Tendenzen lassen sich erkennen: Orte wie Stadtparks oder Museen suggerieren ebenso Refugien der Entschleunigung wie eine wachsende ‘Erholungsindustrie’. Im selben Moment können aber solche Angebote wieder den Mechanismen der Zweckgebundenheit und der Selbstoptimierung unterliegen. Der Sammelband widmet sich diesen komplexen Fragen und ambivalenten Befunden und beleuchtet erstmals aus geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlicher Perspektive mögliche Freiräume der Muße im urbanen Raum.
Unternehmenshaftung: Dogmatische Rekonstruktion der deliktischen Schadensersatzhaftung von Unternehmensträgern
Nach traditionellem Verständnis knüpft die deliktische Unternehmenshaftung an individuelles menschliches Verhalten an. Welche Schwierigkeiten sich daraus ergeben, haben jüngst die „Dieselfälle“ in Erinnerung gerufen. Carsten König plädiert dafür, die Unternehmenshaftung stärker organisationsbezogen zu konstruieren. Hierfür führt er neben rechtsdogmatischen vor allem rechtsökonomische Argumente an. Inspiriert durch rechtsvergleichende Betrachtungen schlägt er vor, zwischen direkter und indirekter Unternehmenshaftung zu unterscheiden und erstere gegenüber letzterer zu stärken. Er entwickelt eine differenzierte Dogmatik der direkten Unternehmenshaftung, die er sodann für die Unternehmens-Gefährdungshaftung, die Unternehmens-Fahrlässigkeitshaftung und die Unternehmens-Vorsatzhaftung konkretisiert.
Universitäre Industriekooperation, Informationszugang und Freiheit der Wissenschaft: Eine Fallstudie
Klaus Ferdinand Gärditz’s case study sets out the legal framework for collaborations between universities and private sponsors, where the responsibility to protect academic freedom requires particular safeguarding in order to ensure that authoritative, independent, and credible research can be carried out by public universities.
Ukrainian Private Law and the European Area of Justice
The present collection of essays addresses the development of Ukrainian private law in the course of its ongoing Europeanization. This process is determined by the Association Agreement between the EU and Ukraine, which was concluded in 2014 and obliges Ukraine to implement a diverse number of European legal acts in its national legal system, aiming to achieve the economic integration of Ukraine into the EU internal market. Nevertheless, it would be inaccurate to describe the process of integrating Ukrainian private law into the European Area of Justice as solely the implementation of the Community acquis. Rather, the Europeanization of Ukrainian private law is part of a value-based Europeanization of the entire Ukrainian society.
Chapter 10: Imagining a Cosmopolitized Europe. From The Study of The ‘New’ To The Discovery of The ‘Unexpected
If we look at the contemporary academic discourse of political studies in gen- eral and the scholarship on international relations in particular, we notice that many analysts start on the basis that there is something ‘new’ about the world: that it is a “brave new world”1 we are living in, that we are facing ‘new’ challenges and problems and threats, and that ‘new’ solutions are needed. Starting on this premise, much of the scholarship in political studies and international relations is then about the study of this ‘new’ world and the search for ‘new’ solutions that could address and deal with the perceived ‘new’ challenges we are said to be facing
Über den Tod: Ps.-Platon
Der unter Platons Namen überlieferte Dialog ‘Axiochos’ beschäftigt sich mit der zeitlosen Frage, ob man vor dem Tod Angst haben muss. Sokrates versucht, seinen sterbenskranken Gesprächspartner Axiochos durch verschiedene philosophische Argumente von seiner Todesfurcht zu befreien. Doch allein die platonische Grundüberzeugung von der Unsterblichkeit der Seele kann Axiochos schließlich überzeugen.
Über das Glück: Marinos, Das Leben des Proklos
Die Schrift Über das Glück: Das Leben des Proklos, verfasst von dem neuplatonischen Philosophen Marinos, ist ein bemerkenswerter Text des späten 5. Jh. n. Chr., der traditionelle biographische, hagiographische und philosophische Themen und Motive mit aktuellen zeitgenössischen Diskursen der Spätantike amalgamiert. Das langjährige Oberhaupt der Neuplatoniker in Athen, der Philosoph Proklos, wird als Leitfigur und paganer Heiliger in einer zunehmend christianisierten Gesellschaft inszeniert. Marinos illustriert anhand seiner Proklos-Figur die Tugenden und Ideale der neuplatonischen Philosophen und schildert dabei programmatisch die (neu-)platonische Ethik und Glückskonzeption. In der Einleitung sowie in den sieben Essays dieses Bandes werden literarische, philosophische, religionsphilosophische, astronomische wie althistorische und sozialgeschichtliche Themen dieses Textes – der hier zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt wird – beleuchtet.
Transnationale Rechtserzeugung: Elemente einer normativen Theorie der Lex Financiaria
Die Märkte für außerbörslich (OTC) gehandelte Finanzderivate haben durch die Steigerung von Nahrungsmittelpreisen, die Beeinflussung der fiskalischen Situation von Staaten und den Aufbau systemischer Risiken erhebliche negative Auswirkungen. Die Demokratisierung dieser Märkte ist deshalb eine der wichtigsten Aufgaben des globalen Rechts. Die International Swaps and Derivatives Association (ISDA) prägt als private Institution die rechtliche Infrastruktur dieser Märkte. Johan Horst untersucht die Rechtspraxis der ISDA und zeigt auf, dass das ISDA-Regime eigene Formen legislativer Tätigkeit, der Rechtsdurchsetzung und der Adjudikation ausgebildet hat. Aufgrund der massiven Auswirkungen der Tätigkeit der ISDA bedarf es einer normativen Rückbindung durch die Begründung transnationaler Responsivitätspflichten, die dogmatisch in der Horizontalwirkung der Menschenrechte, Drittwirkungsverboten transnationaler Vertragsnetzwerke sowie einer dezentralen Politisierung transnationalen Rechts verankert werden können.
Torah, Temple, Land: Constructions of Judaism in Antiquity
The present volume contains the proceedings of a conference held in October 2018 at Humboldt University Berlin. The articles reflect the different categories of describing Judaism of the Second Temple Period in view of their sustainability in characterising an ancient religious community in different historical situations and discuss relevant (re)constructions of ancient Judaism in the history of scholarship. Since the Persian period, ancient Judaism existed in a world which was in constant flux regarding its political, social, and religious contexts. Consequently, Judaism was subject to permanent processes of change in its self-perception as well as its external perception. In all complexity, however, the Torah, the Temple(s) as a place where heaven meets the earth, and the ‘holy’ or ‘promised’ land as the dwelling place of God’s people can be regarded as institutions to which all kinds of Judaism in the Babylonian and Egyptian dispora as well in Israel/Palestine were related in some way or another.
System des Zivilrechts und Struktur der Kodifikation: Europäische und ostasiatische Perspektive
Der vorliegende Sammelband geht mehreren wesentlichen Systemfragen des Zivilrechts nach, die sich im Rahmen der Kodifikation gestellt haben. Zu den jüngsten Kodifikationsversuchen im Zivilrecht gehören das neue chinesische Zivilgesetzbuch und die Schuldrechtsreform Japans. Beide Gesetzbücher wurden während ihres Entstehungsprozesses von den europäischen Vorbildern, vor allem dem deutschen BGB, stark beeinflusst. Dem Aufbau der Zivilgesetzbücher wird in Ostasien ein hoher Stellenwert beigemessen, weshalb im Kodifikationsprozess nicht selten um die richtige systematische Verortung der Rechtsinstitute gerungen wurde. Die Suche nach einer optimalen Struktur führt auch zu kodifikatorischen Alternativentwürfen. In diesem Band diskutieren europäische und ostasiatische Zivilrechtler gemeinsam, inwiefern die Struktur der Zivilgesetzbücher für die Lehre und Praxis eine Rolle spielt und ob tradierte Gliederungsansätze wie die Trennung von Schuld- und Sachenrecht noch zeitgemäß sind.
Studien zum Gottesbild im Johannesevangelium
The whole of the New Testament is occupied with God and the discussion of him. New Testament scholarship, however, barely treats God the Father as a separate subject. Because His significance is not to be neglected, the contributors to this volume turn their attention to illuminating God the Father from various angles.
Stoffschutz
Ralf Uhrich widmet sich einer der zentralen Fragestellungen des Patentrechts: dem Schutz chemischer Stoffe und dessen Ausgestaltung. Nach einer grundlegenden Auseinandersetzung mit der Geschichte des Stoffschutzes sowie den rechtsökonomischen Implikationen analysiert er umfassend die nationalen, europäischen und völkerrechtlichen Rahmenbedingungen. Untersuchungsgegenstand sind dabei neben chemischen auch biotechnologische, pharmazeutische sowie nanotechnologische Stofferfindungen. Der Autor gelangt zu dem Ergebnis, dass weniger der absolute Stoffschutz selbst als vielmehr die Handhabung der Patenterteilungsvoraussetzung der erfinderischen Tätigkeit problematisch ist. Ausgehend davon entwickelt er einen technologieunabhängigen Lösungsansatz, der grundsätzlich am absoluten Stoffschutz festhält, gleichwohl aber diesen durch eine Neuausrichtung der Prüfung der erfinderischen Tätigkeit korrigiert.
Smart Regulation: Theorie- und evidenzbasierte Politik
Disruptive Technologien, globale Krisen und hochkomplexe Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft, Recht und Gesellschaft stellen nationale wie supranationale Regulierungsinstanzen vor wachsende Herausforderungen. Insbesondere im Kontext der COVID-19-Pandemie ist daher die Frage nach der Rolle theorie- und evidenzbasierter Grundlagen politischer und unternehmerischer Entscheidungen verstärkt in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt. Vor diesem Hintergrund entwickeln die Beiträger des vorliegenden Tagungsbandes innovative Regulierungsansätze, die theorie- und evidenzbasiert eine effiziente und zugleich ethisch-wertorientierte Verwirklichung von Regulierungszielen ermöglichen. Behandelt werden fünf Themenblöcke: Gesundheitspolitik, Steuerpolitik, Kartellrecht, Wirtschaftsrecht und Unternehmensrechnung. Auf der Grundlage der Perspektiven aus Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Psychologie und Philosophie werden effektive Strategien für eine theorie- und evidenzbasierte Regulierung in den vorgestellten Bereichen entwickelt.
Smart Regulation: Vertrag, Unternehmung und Markt
Smart Regulation steht für innovative Regulierungsansätze und -formen. Die interdisziplinäre Erforschung von Smart Regulation nimmt sich der Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung an, berücksichtigt neue Erkenntnisse zu menschlichem Verhalten und erschließt zukunftsweisende Regulierungstechniken. Der vorliegende Band führt die Beiträge zum gleichnamigen Symposium an der Universität Graz vom 2. Oktober 2020 zusammen. Behandelt werden vier Themenblöcke: Digitalisierung als Herausforderung für den Verbraucherschutz, Publizität zur Steuerung sozialen Unternehmertums, automatisiertes Entscheiden zwischen Markt und Regulierung sowie Standardbildung und -durchsetzung im Unternehmensbereich. Die hierzu eingebrachten Perspektiven aus Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Psychologie, Philosophie und Theologie schaffen eine inhaltliche und methodische Grundlage für die weitere Diskussion von Smart Regulation.
Smart Contracts
How smart are smart contracts? Do they live up to their promise of a more effective rights enforcement? Nine pioneers from both academia and legal practice discuss the technological and legal foundations of smart contracts, provide practical examples, and debate their impact on the judicial system.
Central Asian Sources and Central Asian Research – Selected Proceedings from the International Symposium “Central Asian Sources and Central Asian Research”, October 23rd–26th, 2014 at Göttingen State and University Library
In October 2014 about thirty scholars from Asia and Europe came together for a conference to discuss different kinds of sources for the research on Central Asia. From museum collections and ancient manuscripts to modern newspapers and pulp fiction and the wind horses flying against the blue sky of Mongolia there was a wide range of topics. Modern data processing and data management and the problems of handling five different languages and scripts for a dictionary project were leading us into the modern digital age. The dominating theme of the whole conference was the importance of collections of source material found in libraries and archives, their preservation and expansion for future generations of scholars. Some of the finest presentations were selected for this volume and are now published for a wider audience.