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Der Kolosserhymnus: Untersuchungen zu Form, traditionsgeschichtlichem Hintergrund und Aussage von Kol 1,15–20
Christian Stettler attempts a new way of interpreting the hymns in Col 1:15–20. Starting from its Judeo-Christian backdrop he analyses the form of the text against the background of the Psalm literature found in the Old Testament and early Jewish writings and interprets the text against the background of Old Testament and early Jewish traditions. Christian Stettler shows the development of the whole complexes of traditions which are responsible for the Colossian hymn. It becomes evident that Col 1:15–20 – an implicit christological midrash – is a concise and organic entity which can be interpreted without assuming additions to an original text. In early Jewish Wisdom theology most of the traditions which stand behind the hymn are already connected, but only the life, death and resurrection of Jesus made the formulation of the present hymn possible.
Der Deutsche Juristentag 1933: Die kumulative Selbstmobilisierung der juristischen Professionselite in der Formierungsphase des NS-Regimes
Silvan Schenkel untersucht mit dem Deutschen Juristentag 1933 in Leipzig ein zentrales Ereignis für die Konstitution der juristischen Professionselite in der NS-Zeit. Seit 1860 waren die Juristentage der zentrale wissenschaftliche Kongress für Juristen. Der Parteijurist Hans Frank okkupierte den traditionellen “Deutschen Juristentag” und verwandelte die Tagung in ein propagandistisches Forum für die Rechtserneuerung nach dem Leitprinzip “Durch Nationalsozialismus dem deutschen Volk das deutsche Recht”. Ausgehend von den polykratischen Strukturen analysiert der Autor die Reden, den Tagungsverlauf sowie die Wirkungsgeschichte des Juristentages 1933. Deutlich wird dabei, wie dieser Tagung die Schlüsselrolle für die Formierung jener Juristenmilieus zukam, die in den folgenden Jahren das juristische System zu einem effektiven und aus Sicht vieler Deutscher legitimierenden Teil der NS-Herrschaft machten.
Der Beibringungsgrundsatz: Eine Rechtfertigung unter besonderer Berücksichtigung der Passivität der nicht beweisbelasteten Partei
Alexander Morell überprüft die tatsächliche Wirksamkeit des Beibringungsgrundsatzes. Er beschreibt das Erkenntnisverfahren als strategische Interaktion zwischen den Parteien und dem Richter, die unter dem Beibringungsgrundsatz zwei Mechanismen der Informationsgewinnung umfasst. Diese beruhen beide auf dem vom Beibringungsgrundsatz ins Zentrum gerückten Antagonismus der Parteiinteressen und klären zusammen äußerst wirksam auf. Neben dem sogenannten Vereinigungsmechanismus, nach dem der Richter die Vereinigungsmenge der – gegebenenfalls bewiesenen – Behauptungen der Parteien als Sachverhalt zu Grunde legt, wirkt im Zivilprozess auch das sogenannte Grossman’sche Schließen. Dieses ermöglicht es dem Richter unter bestimmten Bedingungen, aus der Nichtvorlage von Beweismitteln durch die nicht beweisbelastete Partei zutreffend auf den Sachverhalt zu schließen. Das Werk wendet die aufgefundenen Einsichten zur Illustration auf Beweisprobleme im Kontext des Dieselskandals an und lotet Implikationen für das allgemeine Beweisrecht aus.
Der apokryphe Briefwechsel zwischen Seneca und Paulus: Zusammen mit dem Brief des Mordechai an Alexander und dem Brief des Annaeus Seneca über Hochmut und Götterbilder
In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts erfand ein unbekannter Autor einen Briefwechsel zwischen Seneca und Paulus. Die vierzehn kurzen Briefe, acht vom Philosophen, sechs vom Apostel, sind in sehr schlechtem spätantikem Latein geschrieben und weitgehend inhaltslos. Ihr Ziel ist es, mittels eines Austauschs von freundschaftlichen Billetts, wie er unter den Intellektuellen der Spätantike üblich war, Seneca zum Freund des Paulus zu machen und so das hohe Ansehen Senecas in der spätantiken lateinischen Theologie apostolisch zu sanktionieren. Diese Fiktion war sehr erfolgreich und regte im Laufe der Geschichte immer wieder zu Spekulationen über das Verhältnis zwischen Stoa und Christentum an. Dieser Band bietet eine neue Übersetzung des Briefwechsels auf der Basis der neuesten kritischen Edition, versehen mit einer Einleitung, Erläuterungen und Testimonien. Ferner werden zwei wenig bekannte Texte aus dem Umfeld des Briefwechsels abgedruckt, erstmals übersetzt und erläutert: ein angeblicher Brief des Mordechai an Alexander den Großen aus einer Fassung des Alexanderromans und ein Brief Senecas über Hochmut und Götterbilder, eine christliche Apologie aus dem 5. Jahrhundert. Die Essays behandeln zentrale Probleme des Verhältnisses zwischen Stoa und Christentum (Gottesbild und Ethik) sowie die Seneca-Rezeption vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit.
Der Abschreckungseffekt auf die Grundrechtsausübung: Strukturen eines verfassungsrechtlichen Arguments
Julian Staben examines chilling effects, framed as deterrence-based lines of argument, in the jurisprudence of the Bundesverfassungsgericht (German Federal Constitutional Court) and compares them with the jurisprudence of the US Supreme Court. Chilling effects follow distinct patterns when it comes to online behaviour and emerging digital practices and therefore call for their constitutional reassessment. Julian Staben’s work enables a more methodologically reflective use of these arguments in the judicial discourse.
Dem Göttlichen ganz nah: »Muße« und Theoria in der spätantiken Philosophie und Theologie
What is »leisure«? What is »theory«? And how are the two connected? Andreas Kirchner explains that according to Aristotle’s basic definitions of the concepts of »theoría« and »scholê«, both undergo characteristic developments in the course of history, and that the philosophy and theology of late antiquity significantly contributed to this. Plotinus’ Neoplatonism thus decisively extends both concepts in their essential respects, and the emerging Christian theology, which the author examines by taking Marius Victorinus, Ambrose and, above all, Augustine as examples, then builds up its definition of »leisure« and »theory«. While based on philosophical foundations on the one hand, on the other it develops its own characteristic concepts following the personal concept of God and Christian assumptions. Andreas Kirchner shows how fundamentally the thought systems as well as the respective concept of God affect the conceptual design.
Datenprivatrecht: Neue Technologien im Spannungsfeld von Datenschutzrecht und BGB
Das neue unionale Datenschutzrecht ist, entgegen mancher Befürchtung, kein law of everything. Vielmehr müssen unterschiedliche Rechtsmaterien ineinandergreifen, um eine sachgerechte Regelungsstruktur im Schnittbereich von Datenschutzrecht und Privatrecht aufzubauen. Philipp Hacker bestimmt das Verhältnis dieser Rechtsmaterien, insbesondere von DS-GVO und BGB. Denn die Verschränkung unterschiedlicher Technologieformen fordert mehr denn je ein rechtsbereichsübergreifendes Verständnis von juristischer Dogmatik und ein interdisziplinär fundiertes Konzept von Regulierung. Auf Basis des geltenden Rechts entwirft er ein integriertes Marktordnungsrecht für digitale Austauschverhältnisse. Die Untersuchung schließt mit Reformperspektiven, die aufzeigen, wie die informierte Einwilligung durch eine technologische ersetzt werden kann, um eine privatautonome Gestaltung von Rechtsverhältnissen unter den Bedingungen der digitalen Wirtschaft zu ermöglichen. Die Arbeit wurde mit dem Wissenschaftspreis der Deutschen Stiftung für Recht und Informatik 2020 ausgezeichnet.
Das Parteien-Paradox: Ein Beitrag zur Bestimmung des Verhältnisses von Demokratie und Parteien
Demokratien weisen überall in der Welt Krisensymptome auf: Wahlbeteiligung, Akzeptanz politischer Entscheidungen und Vertrauen in die politischen Institutionen sinken stetig. Doch der Verdruss gilt nicht Demokratie und Politik, sondern Parteien und Politikern. Hier setzt Emanuel V. Towfigh an und geht der Frage nach, in welchem Verhältnis die grundgesetzliche Konzeption von Demokratie zu ihrer institutionellen Umsetzung steht. Zunächst rekonstruiert er das vorherrschende Leitbild der demokratischen Ordnung, demzufolge der politische Wettbewerb widerstreitende Interessen zu gemeinwohldienlichen Entscheidungen aggregiert. Aber auch negative Wirkungen der politischen Parteien lassen sich, gleichsam spiegelbildlich, auf das überkommene Leitbild zurückführen. Politische Parteien haben also eine paradoxe Wirkung: Demokratische Entscheidungen lassen sich heute nicht ohne sie legitimieren, aber sie bescheren gleichzeitig dramatische Legitimationsprobleme. Will man die negativen Wirkungen der Parteien reduzieren, bedarf es einer Neuausrichtung des Leitbildes von Demokratie, für die die Arbeit erste Fluchtpunkte formuliert.
Das letzte Gericht: Studien zur Endgerichtserwartung von den Schriftpropheten bis Jesus
Christian Stettler shows how the expectation of the last judgment developed from the classical prophets to Jesus. Deeply rooted in ancient royal ideology and world-order tradition, the various expectations of a last judgment are ultimately unified by the hope that YHWH would establish his kingdom by means of a universal judgment. While early Jewish movements and texts agree that only those who are ‘just’ according to the Torah will be part of this kingdom, the question of who the ‘just’ are and how a person becomes ‘just’ is answered in different ways. From here E. P. Sanders’ influential ‘covenantal nomism’ theory is critically analyzed. – John the Baptist and Jesus are part of the apocalyptic movement. A new element in Jesus’ teaching is that he expects himself and his death to play a decisive part in the last judgment.
Bibliotheken gestalten Zukunft – Kooperative Wege zur Digitalen Bibliothek ; Dr. Friedrich Geißelmann zum 65. Geburtstag
Libraries are not passive to the rapid and profound digital change. They have recognized and accepted the task and opportunity to actively participate in shaping a sustainable information infrastructure for a modern knowledge society. They use the opportunities of new information technologies to build digital libraries and to expand its service range by offering innovative services. Acknowledged experts from libraries and science in this book give an in-depth insight into current developments in this very important sector for libraries. The topics of the contributions in this volume range of approaches and strategies to improve the information structure of academic libraries on concrete examples of the establishment and development of digital libraries in practice to prospects for future development opportunities and areas of action.
Das Leben des Weisen: Philon v. Alexandria, De Abrahamo
Philons Biographie Abrahams ist eine Werbeschrift für das Judentum. Sie entstand vermutlich als literarisches Begleitprojekt zu Philons politischer Mission in Rom: In Alexandria hatte es Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung gegeben, die Philon bei Kaiser Caligula zur Sprache bringen sollte. Der vorliegende Band führt in diesen zeitgeschichtlichen Kontext ein und bietet den mit Anmerkungen versehenen Text der Schrift samt einer Neuübersetzung. Erläuternde Essays aus unterschiedlichen Fachperspektiven würdigen Philon als Biographen und als Philosophen, ergründen sein Tugendverständnis und sein Frauenbild und beleuchten sein Schriftverständnis aus der Perspektive des antiken Orakelwesens. Abgerundet wird der Band durch einen Ausblick auf die Rezeption Abrahams im Islam, inder sich bemerkenswerte Parallelen zu Philons allegorischen Auslegungen wiederfinden lassen.
Das Gebet als metaphorischer Prozess: Zur Erneuerung von Welt und Sprache bei Michel de Certeau und Günter Bader
Das Gebet ist ein reizvolles Thema, weil es ein Phänomen auf der Schwelle ist und viel verspricht: nämlich eine Brücke zu sein zwischen Himmel und Erde, Kontaktort von Endlichem und Unendlichem und ein ultimativer Trost für die menschliche Einsamkeit – und doch ist für viele Zeitgenossen das Beten, auch wenn sie seine Verheißung durchaus noch vernehmen, keine Möglichkeit mehr. Für das Nachdenken der Theologie ist es nicht nur als schwierig gewordener Vollzug wichtig. Darüber hinaus öffnet es eine Tür zur fundamentalen Frage, wie überhaupt von Gott zu sprechen sei. Diese Frage beantworten der katholische Religionshistoriker und Jesuit Michel de Certeau und der evangelische Theologe Günter Bader originell und mutig. Sie greifen dabei immer wieder zurück auf das Gebet, in dem neue Rede von Gott entsteht. Ausgehend von Römer 8 wird das Gebet insgesamt als ein metaphorisches Geschehen sichtbar, das im wortlosen Seufzen nicht nur ein Ende, sondern auch einen Anfang vernehmbar macht.
Das Endgericht bei Paulus: Framesemantische und exegetische Studien zur paulinischen Eschatologie und Soterologie
In the ‘New Perspective on Paul’ the last judgment does not play any decisive role. According to other Pauline scholars, Paul, in his many fragmentary references to a last judgment, did not presuppose a consistent conception of judgment, but instead used different and sometimes contradicting motives in different contexts. Christian Stettler counters these views from a cognitive semantic perspective. Since in frame semantics language is seen as an ‘access point’ to encyclopaedic cognitive concepts, the author argues that judgement texts are references to a more detailed concept of the last judgement that Paul presupposed in his letters and taught in his churches. Stettler offers a full reconstruction of this concept by a semantic analysis of all relevant passages and through more extensive interpretation of central texts. The result is a reading of Paul that offers a way forward both to New Perspective and traditional confessional readings.
Das Bad als Mußeraum: Räume, Träger und Praktiken der Badekultur von der Antike bis zur Gegenwart
Badekultur und Muße stehen seit jeher in einem spannungsvollen Zusammenhang, weil sowohl die Praktiken des Badens als auch die gesellschaftliche Bewertung von Muße erheblichen Schwankungen unterworfen waren. Die Vorstellungen darüber, ob, wann, wie, in welcher Art und mit welchem Nutzen zu baden sei, wandelten sich ständig und fanden Niederschlag in mannigfaltigen kulturellen Zeugnissen, welche in den hier versammelten Beiträgen aus Kunstgeschichte, Archäologie, Mediävistik, Musikwissenschaft und Literaturwissenschaft untersucht werden. Die Beiträge des vorliegenden Bandes geben einen Überblick über Badekultur, Badeanlagen und Badepraktiken von der Antike bis zur Moderne und wollen darüber hinaus zur weitergehenden Erforschung dieses bislang eher stiefmütterlich behandelten Themenkomplexes anregen. Behandelt werden mit den Badeanlagen im antiken Baiae oder mit Zumthors Therme in Vals der räumlich-architektonische Rahmen des Badens. Die Auswertung literarischer und medizinischer Schriften rückt moralische und gesundheitliche Fragen in den Blick. Außerdem werden größere badekulturelle Zusammenhänge in der Antike, in der höfischen Kultur des Hoch- und Spätmittelalters sowie in den Kurorten des 19. Jahrhunderts verdeutlicht.
Cosmic Order and Divine Power: Pseudo-Aristotle, On the Cosmos
The treatise De mundo offers a cosmology in the Peripatetic tradition which subordinates what happens in the cosmos to the might of an omnipotent god. Thus the work is paradigmatic for the philosophical and religious concepts of the early imperial age, which offer points of contact with nascent Christianity.
Cosmic Christology in Paul and the Pauline School: Colossians and Ephesians in the Context of Graeco-Roman Cosmology, with a New Synopsis of the Greek Texts
Reflections on God, Christ and cosmos in the writings of Paul and the Pauline School show that these authors were familiar with important notions from Graeco-Roman cosmology and theology. George van Kooten comes to the conclusion that they might even have adopted a way of thinking in which Judaism and Graeco-Roman cosmology were forged into a new synthesis, and Christ was viewed as a cosmic god. In this development, Paul and the authors of the Pauline School took up various positions which were all represented in contemporary discussions about God and cosmos in the philosophical schools. Against this background this study also sheds new light on the specific relationship between Colossians and Ephesians.
The Conceptual Change of Conscience: Franz Wieacker and German Legal Historiography 1933–1968
How did the drastic experiences of the turbulent twentieth century affect the works of a legal historian? What kind of an impact did they have on the ideas of justice and rule of law prominent in legal historiography? Ville Erkkilä analyses the way in which the concepts of ‘Rechtsgewissen’ and ‘Rechtsbewusstsein’ evolved over time in the works of the prestigious legal historian Franz Wieacker. With the help of previously unavailable sources such as private correspondence, the author reveals how Franz Wieacker’s personal experiences intertwined in his legal historiography with the tradition of legal science as well as the social and political destinies of twentieth century Germany.
Computerkriminalität im Europäischen Strafrecht: Kompetenzverteilung, Harmonisierungen und Kooperationsperspektiven
Combatting computer crime requires transnational co-operation between law enforcement agencies as well as the harmonisation of criminal law. Adrian Haase assesses existing EU directives regarding cybercrime, and develops a network-specific definition to facilitate the demarcation of European and national competences.
Bürger-Ethos, politisches Engagement und die Bewahrung des Status Quo: Plutarch, Politische Ratschläge
Der vorliegende Band bietet eine vollständige neue Übersetzung und Kommentierung der Politischen Ratschläge ( Praecepta gerendae rei publicae) Plutarchs von Chaironeia (Provinz Achaea), die sich als ein Sendschreiben an einen jungen Hellenen aus Sardeis (Provinz Asia) vorstellen, der in die Stadtpolitik seiner Heimat unter den Bedingungen der römischen Oberhoheit eintreten will. Die interpretierenden Essays erläutern, vor allem anhand relevanter Inschriften-Zeugnisse, die politischen Rahmenbedingungen in Achaea und Asia und würdigen den spezifisch literarischen Charakter der Denkschrift.
Blasphemie: Anspruch und Widerstreit in Religionskonflikten
Seit zwei Jahrzehnten lässt sich eine irritierende Wiederkehr des Blasphemievorwurfs beobachten. Man denke etwa an den dänischen Karikaturenstreit oder den Terroranschlag auf Charlie Hebdo 2015 in Paris. Die entsprechenden politischen und juristischen Debatten betreffen gegenwärtig insbesondere Blasphemieparagraphen in den Rechtsordnungen. Doch das Phänomen der Blasphemie ist facettenreicher, als es dabei oft wahrgenommen wird. Denn “Blasphemie” ist kein objektiv vorliegender Tatbestand, sondern entspricht einem komplexen Deutungsmuster, das religionsspezifisch und interreligiös unterschiedliche Ausprägungen erfahren hat. Der vorliegende Sammelband reflektiert das Phänomen der Blasphemie in Geschichte und Gegenwart in einem multiperspektivischen Zugang. Die Thematik wird sowohl im Kontext von Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus als auch im Kontext von Jurisprudenz und Kunst aus der Sicht verschiedener Wissenschaftsdisziplinen analysiert.
Bewegungsorientierte Gesundheitsförderung an Hochschulen
Mehr als 3,2 Millionen Menschen lernen und arbeiten in Deutschland an Hochschulen. Die Hochschule als Organisation und Institution repräsentiert damit ein bedeutsames Setting für gesundheitsförderliche Angebote und Maßnahmen, die sich in unterschiedlichen Programmen und Projekten bereits in der Praxis etabliert haben. Sport- und Bewegungsangebote besitzen im Kontext der Gesundheitsförderung an Hochschulen dabei eine große Bedeutung. Der dritte Band der Reihe „Hochschulsport: Bildung und Wissenschaft“ widmet sich diesem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Neben theoretischen Beiträgen zur Bewegungsorientierten Gesundheitsförderung an Hochschulen präsentiert der Band erstmals auch zahlreiche empirisch ausgerichtete Beiträge, die über die Effekte, Wirkungsweisen und Anwendungsmöglichkeiten des Sports und der Bewegung im Hochschulsetting berichten. Darüber hinaus wird der Praxis der bewegungsorientierten Gesundheitsförderung besondere Aufmerksamkeit geschenkt, indem Beispiele aus unterschiedlichen Hochschulen vorgestellt und diskutiert werden.
Beobachtungen der Säkularisierung und die Grenzen der Religion
Wie und anhand welcher Unterscheidungen wird das Verhältnis von religiösen und säkularen Perspektiven auf Religion heute beobachtet? Lorenz Trein zeigt, dass die postkoloniale Kritik am Säkularismus Modernediagnosen einer nach dem Zweiten Weltkrieg geführten Debatte über den Zusammenhang von Christentum, Säkularisierung und Fortschritt aufgenommen hat. Diese hat mit der (Un-)Möglichkeit einer historischen Realisierung der eschatologischen Botschaft vom Reich Gottes zu tun. Ist die ‘religiös/säkular’-Unterscheidung aufgrund dieser Genealogie erledigt? Mit welchen Unterscheidungen untersucht die Religionswissenschaft den Säkularisierungsdiskurs? Die Deutungsgeschichte der Säkularisierung öffnet Perspektiven auf die religiöse Reflexion dessen, was Moderne heißt. Zugleich legt sie ‘Kultur’, ‘Geschichte’ und ‘Kontingenz’ als religionsproduktive Beschreibungen frei.
The Beginning of the Biblical Canon and Ben Sira
The Book of Ben Sira, written in Hebrew in the early second century BCE, is often regarded as containing the earliest references to the canon of the Hebrew Bible / Old Testament. In contrast, Alma Brodersen examines methodological and historical issues regarding the beginning of the biblical canon and Ben Sira, and demonstrates that the book itself – as distinct from the later Prologue to its Greek translation – does not actually refer to texts as canonical. In addition, a systematic analysis of key passages in Ben Sira 38-39 and 44-50 in Hebrew and Greek uncovers similarities with other ancient texts which are not canonical today but preserved in the Dead Sea Scrolls. Far from proving the existence of the biblical canon in his day, Ben Sira’s book indicates instead the importance of oral teaching and the relevance of a wide range of traditions.
Banned Birds: The Birds of Leviticus 11 and Deuteronomy 14
The dietary prohibitions in Leviticus 11 and Deuteronomy 14 represent one of the most detailed textual overlaps in the Pentateuch between the Priestly material and Deuteronomy. This is especially the case for the birds: their identities are shrouded in mystery and the reasons for their prohibition debated. Peter Altmann attempts to break this impasse by setting these flyers within the broader context of birds and flying creatures in the Ancient Near East. His investigation considers the zooarcheological data on birds in the ancient Levant, iconographic and textual material on mundane and mythic flyers from Egypt and Mesopotamia, as well as studying the symbolic functions of birds within the texts of the Hebrew Bible itself.
Autoren in religiösen literarischen Texten der späthellenistischen und der frühkaiserzeitlichen Welt: Zwölf Fallstudien
The contributors to this volume discuss the formation and transformation of ancient concepts of authorship, specifically among those types of texts that are classified as “religious literature” – whether Greco-Roman, early Jewish, and early Christian. In twelve case studies spanning the time from Ben Sira to Tertullian, various ways of how authors considered themselves to be individual producers of texts and religious voices are carved out. The volume presents authors who fashion themselves either as orthonymous, anonymous, or pseudepigraphic writers, and who share the idea of being “religious agents”. The search for these religious voices undertaken here is a valuable contribution to both research in ancient “Autorforschung” and the religio-historical study of how religious knowledge was produced in the ancient Mediterranean world.
Armut – Arbeit – Menschenwürde: Die Euböische Rede des Dion von Prusa
Der von Gustav Adolf Lehmann herausgegebene Band enthält eine vollständige Übersetzung und Kommentierung der Euböischen Rede des Dion von Prusa. Eine Reihe von Essays erschließt den literarischen, archäologischen, politisch-ethischen und politisch-sozialen Inhalt des Werkes und macht erstmals eine umfassende Würdigung dieser Schrift möglich.
Anwaltliche Berufsausübung im Dienste des Rechtsstaats: Eine grundrechtsdogmatische deutsch-französische Studie
Rechtsanwälte haben rechtsordnungsübergreifend eine wichtige rechtsstaatliche Funktion. Doch anders als die richterliche Unabhängigkeit, die in den europäischen wie mitgliedstaatlichen Verfassungstexten ausdrücklich erwähnt wird, gilt dies für Rechtsanwälte und die Rechtsanwaltschaft als Institution zumeist nicht. Der berufsfreiheitliche und verfassungsgerichtliche Schutz anwaltlicher Berufsausübung in Deutschland kennt keine Entsprechung in Frankreich, wo dieser bislang der berufsständischen Selbstverwaltung überantwortet ist. Der Autor vermisst die anwaltliche Berufsfreiheit im deutschen Verfassungsrecht neu. Diese stellt sich als dienende Freiheitsgewährleistung dar. Zugleich werden erstmals grundrechtliche Maßstäbe für die Regulierung des Anwaltsberufs in Frankreich aufgezeigt. Der Grundrechtsvergleich lässt als gemeinsame Elemente die Fremdnützigkeit und Normgeprägtheit der anwaltlichen Grundrechte hervortreten. Die Arbeit ist 2023 mit dem Dissertationspreis “Prix des affaires” der Deutsch-Französischen Hochschule und dem Promotionspreis des Vereins der Freunde und Förderer der Rechtswissenschaften an der Universität Passau e.V. ausgezeichnet worden.
Anthropologie der Theorie
The link between leisure and contemplative activity, as paradigmatically developed in Aristotle’s Nicomachean Ethics, has a pre- and long post-history reaching into present day philosophy and theology. Aristotle’s melding of leisure with theory is explained anthropologically because human nature’s capabilities are perfectly realised in a contemplative form of life. The contributions in this volume investigate models of connecting theory and leisure in the history of ideas with regard to the question of an anthropological foundation of theory.
Ägyptische Erzählungen oder Über die Vorsehung
Die “Ägyptischen Erzählungen” des Synesios von Kyrene (ca. 370-413 n. Chr.) entwerfen in Form einer Allegorie, die den Osiris-Mythos mit neuplatonischen Elementen erzählt, ein lebendiges Bild der Erlebnisse, die der Autor als Gesandter am Hof von Konstantinopel um 400 n. Chr. machte.
Abrahams Aufbruch: Philon von Alexandria, De migratione Abrahami
Philons Schrift De Migratione Abrahami ist ein allegorischer Kommentar zu Gen 12. Der Auszug Abrahams aus seiner chaldäischen Heimat wird von Philon allegorisch auf den Auszug der Seele aus der Sinnenwelt und ihre Rückkehr zu Gott gedeutet. Die vorliegende Ausgabe bietet neben einer ausführlichen Einführung in Leben und Denken des alexandrinischen Religionsphilosophen den Text mit Übersetzung und erläuternden Anmerkungen. Kommentierende Essays aus unterschiedlichen Fachperspektiven ordnen die Schrift in den Kontext des zeitgenössischen Judentums sowohl in Alexandria wie im palästinischen Mutterland ein, würdigen Philon als Vertreter des kaiserzeitlichen Platonismus und machen mit der Gotteserkenntnis und philosophisch gedeuteten Exilserfahrungen zwei zentrale Topoi der Schrift zum Thema. Vergleichende Untersuchungen zur Figur des Abraham im Neuen Testament und in Thomas Manns Joseph und seine Brüder runden den Band ab.